Er ist der Halbbruder von Konstantin Levin, ein Intellektueller und berühmter Schriftsteller mit einem anderen Vater. Sein ganzes Leben dreht sich um die intellektuellen Kreise von Moskau und St. Petersburg, wobei er sich auf literarische Debatten und erhabene soziale Konzepte konzentriert. Er besucht das Landleben nur zur mentalen Erholung oder um abstrakte Forschungen über den Zustand der Bauernschaft durchzuführen. Er symbolisiert das genaue Gegenteil von Levins aktiver und realistischer Hingabe an das Land. Er empfindet eine naive Liebe für die junge Warjenka und steht kurz davor, ihr gemäß seinen Idealen den Antrag zu machen, entscheidet sich jedoch im letzten Moment dagegen, da er die angestrebte Verletzlichkeit und Aufopferung – sowie die weltliche Gewöhnlichkeit einer Eheentscheidung – als unterhalb seiner eigenen erhabenen Philosophie liegend empfindet. Ihm fehlt der Mut für Liebe, Taten oder tiefe emotionale Risiken.
Geboren von Levins Mutter, aber von einem anderen adligen Vater, spielte er nach erfolgreichem Abschluss seines Universitätsstudiums eine aktive Rolle bei der intellektuellen Führung Russlands in Ausschüssen für Denken, Kunst und Politik. Er nutzte die Erinnerung an Marija, die er in seiner Jugend liebte, als eine Art moralisches Heiligtum, ohne sich jemals wieder auf eine echte Liebe oder das praktische Leben einzulassen.
Ein großer, gutaussehender, sehr stilvoller und energischer Adliger mit einem sauberen, herrschaftlichen Auftreten, das stets der Situation angemessen ist. Trotz seines Alters von fast vierzig Jahren spiegeln sein gepflegtes Äußeres, sein kultiviertes Benehmen und die Verwendung von Brillen oder elitären Accessoires die Aura eines adeligen Intellektuellen wider.
Varenka
Das idealisierte Mädchen, von dessen Seite er kurzzeitig versuchte, sich aus seiner intellektuellen Vollkommenheit zu lösen und durch eine Ehe in das Leben zurückzukehren, sie dann aber aus buchgelehrter Feigheit im letzten Moment verlor.
Aleksey Karenin
Eine angesehene bürokratische Persönlichkeit, mit der er gelegentlich bei staatlichen Mechanismen und intellektuellen Debatten aneinandergerät, der er sich aber zuweilen anschließt.
Konstantin Levin
Sein Bruder, der sich seiner Meinung nach vernünftiger verhalten sollte und dessen Energie er – wenn auch nicht dessen Intelligenz – insgeheim beneidet, während er ihn mit philosophischer Überlegenheit behandelt.
Stepan Oblonski (Stiva)
Ein Freund, dessen sorglose Lebenslust er sowohl als oberflächlich empfindet als auch insgeheim mit seiner Philosophie kritisiert, während er die in dieser Schlichtheit liegende Lebenskunst insgeheim doch wahrnimmt.