
Ahmet Mithat Efendi
Felatun Bey und Rakım Efendi ist ein klassischer Roman der türkischen Literatur aus der Zeit des Tanzimat, verfasst von Ahmet Mithat Efendi im Jahr 1875. Das Werk persifliert eine fehlgeleitete Verwestlichung (alafranga Manieren), Ignoranz sowie den kulturellen Zusammenprall zwischen Ost und West anhand zweier gegensätzlicher Charaktere.
Der Zusammenprall der Lebensstile und Denkweisen zwischen Râkım Efendi, der unter Wahrung seiner Werte die Produktivität, Sprachen und Wissenschaften des Westens adaptiert, und Felâtun Bey, der lediglich den Luxus, die Dekadenz und den formellen Hochmut des Westens übernimmt und so sein eigenes Erbe verzehrt.
Istanbul (Beyoğlu, Tophane, Salıpazarı, Kumbaracı Yokuşu, Kâğıthane, Çamlıca, Asmalımescit)
Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts (Tanzimat-Zeit, schätzungsweise 1870er Jahre)
Das Werk besticht durch eine intime Atmosphäre, in der ein belehrender, moralisch-warmer und bisweilen leicht humorvoller Erzähler direkt mit der Leserschaft kommuniziert. Begleitet von lebendigen Tableaus des Alltagslebens wird eine feine Satire durch die Fehler der Charaktere spürbar.
Ein allwissender, didaktischer Erzähler (im Stile eines traditionellen Meddah), der die Leserschaft wiederholt anspricht, in das Geschehen eingreift und seine eigenen moralischen Wertvorstellungen verteidigt.
Wahre gesellschaftliche Anerkennung erwirbt man nicht durch ererbten Reichtum oder westliche Imitation, sondern durch eigene harte Arbeit, Wissen und moralische Tugend. Ein Leben, das auf Prahlsucht und Faulheit fußt, ist zwangsläufig zum materiellen und moralischen Ruin sowie zur Schande verdammt.
Das Aufeinandertreffen der osmanischen Intelligenz der Tanzimat-Ära mit der europäischen Kultur. Eine Übergangszeit im zivilen Leben Istanbuls, in der eine Mentalität, die Zivilisation lediglich mit Französischsprechen und oberflächlichem Vergnügen gleichsetzt, auf eine Generation trifft, die sowohl östliche Gelehrsamkeit als auch westliche Wissenschaften vereint und Fleiß als Grundprinzip betrachtet.
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Sie bilden den zentralen Gegensatz des Romans. Während Râkım ein bescheidener und fleißiger Geist ist, ist Felâtun ein arroganter und unwissender Erbe. Felâtun beneidet Râkım insgeheim und versucht ihn herabzusetzen, während Râkım ihn meist bemitleidet und aus seinem Verhalten eine Lehre zieht.
Die Diskussion im Hause der Engländer über das türkische Alphabet, bei der Felâtuns Unwissenheit von Râkım höflich entlarvt wird.
Anfangs eine Beziehung zwischen fürsorglichem Mentor und Schützling. Während Râkım sie bildet und fördert, entwickelt Canan eine tiefe Liebe zu ihm; Râkım bewundert ihre Entwicklung, und die Distanz wandelt sich in eine tiefe gegenseitige Zuneigung.
Als Râkım den Vorschlag erhält, Canan für eintausendfünfhundert Goldstücke zu verkaufen, brechen beide in Tränen aus und gestehen einander ihre Liebe.
Fedai ist diejenige, die Râkım seit seinem Waisendasein unter Inkaufnahme jeder Mühsal großgezogen hat. Râkım respektiert sie wie eine leibliche Mutter, gibt ihr sein erstes verdientes Geld und tut alles für ihr Wohlbefinden.
Dass Râkım die Hälfte seines ersten größeren Verdienstes seiner Amme gibt, um sie vor der Arbeit als Dienstbotin in anderen Häusern zu bewahren.
Fedai ist anfangs der Grund für Canans Aufnahme, um den Haushalt zu unterstützen, doch sie liebt sie bald wie ihre eigene Tochter. Canan wiederum bindet sich an sie wie an eine Mutter, und zwischen ihnen entsteht eine große Solidarität.
Canan präsentiert Fedai zuerst ihre selbst genähten Kleider aus modischen Stoffen und schämt sich, Geheimnisse vor ihr zu haben.
Die Beziehung, die zunächst mit einer leidenschaftlichen Anziehung begann, wandelt sich dank Râkıms Reife und seiner Bindung zu Canan in eine tiefe Freundschaft. Josephino wird zur Mentorin, die das Glück von Râkım und Canan unterstützt.
Während eines Ausflugs nach Kâğıthane ermutigt Josephino Canan und inszeniert ein Spiel, damit Canan Râkım ihre Liebe gestehen kann.
Josephino wird für Canan zur Klavier- und Französischlehrerin. Als sie Canans unglaubliche Intelligenz und Naivität erkennt, nimmt sie sie aufrichtig an und fördert ihr Lebensglück.
Josephino unterrichtet Canan mit außergewöhnlicher Begeisterung unentgeltlich, um sie schneller auf den Unterricht für die englischen Mädchen vorzubereiten.
Ziklas betrachtet Râkım als einen sehr begabten und moralisch integren orientalischen Gelehrten und hegt großen Respekt für ihn. Er liebt Râkım wie einen eigenen Sohn und bietet ihm großzügige Möglichkeiten.
Als seine Tochter Can an Tuberkulose erkrankt und auf dem Sterbebett liegt, schlägt Mr. Ziklas Râkım – ungeachtet seines gesamten Vermögens und ohne von ihm eine Konversion zu verlangen – vor, sein Schwiegersohn zu werden.
Can ist während des Unterrichts tief beeindruckt von Râkıms Intelligenz, seinem Aussehen und seiner Höflichkeit und verliebt sich in ihn. Râkım hingegen begegnet ihr lediglich mit der respektvollen Zuneigung eines Lehrers und überschreitet niemals seine Grenzen.
Cans Unfähigkeit, Râkım ihre Gefühle zu offenbaren, was sie schließlich ans Krankenbett fesselt, sowie ihr Glaube, dass Râkım durch die Gedichte aus dem Diwan von Hafis indirekt seine eigenen Gefühle für sie ausdrücke.
Der Vater hält die westlich orientierte, oberflächliche Haltung seines Sohnes für eine Tugend und vergöttert ihn. Er kontrolliert seinen Sohn nicht, sondern finanziert im Gegenteil dessen verschwenderischen Lebensstil.
Als der Vater und Felâtun darüber diskutieren, dass Wolken im Winter das Sonnenlicht verdecken, vergleicht der Vater Felâtun mit den antiken griechischen Philosophen und preist ihn.
Felâtun buhlt um Polini als zahlender Liebhaber, nur um sich als 'alafranga' (westlich orientiert) darzustellen. Polini betrachtet ihn lediglich als Einnahmequelle, als 'Dummkopf', und beutet ihn aus, bis er sein gesamtes Vermögen an den Spieltischen verloren hat.
Polinis Demütigung von Felâtun im Casino, wo sie ihn vor anderen Männern als 'schlaffen Truthahn' und 'Affen' bezeichnet, woraufhin er sein gesamtes Geld verliert.